Seit rund 30 Jahren geht Roger Frattigiani auf die Jagd. Er ist dabei allerdings nicht auf der Suche nach lebendigen Tieren, sondern nach toten Tieren. Seine Jagdutensilien bestehen nicht aus Gewehr und Fernglas, sondern aus Hammer und Meißel , Pinsel und Stereomikroskop.
Seit dem Fund eines versteinerten Seeigels in seiner Kindheit war es um ihn geschehen, in den kommenden Jahren war er ".. eigentlich eher bekannt als der Junge, der immer nach unten schaute!" Er sammelte alles, was ihm an Versteinerungen vor die Nase kam.
Viele Jahre nach dem Erlebnis mit dem Seeigel zog er auf die Schwäbische Alb. In Laichingen angekommen hörte er natürlich schon bald vom Urweltsteinbruch in Holzmaden. Er zog also los und das Glück bescherte ihm gleich bei seinem ersten Besuch im Urweltsteinbruch einen versteinerten Fisch. Das Jagdfieber war erneut ausgebrochen!
Nach einem Wochenendurlaub in Solnhofen, wo der weltberühmte Urvogel Archaeopteryx gefunden wurde, begann er, Fundstücke anzukaufen und die teilweise unpräparierten Fossilien freizulegen. Eine Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl verlangt.
Krebse zählen zu seinen Lieblingsfossilien und so wundert es auch nicht, dass er ca. 300 versteinerte Krebse sein Eigen nennt.
Nun, was unterscheidet Roger Frattigiani von einem Großteil anderer Menschen? Haben Sie schon einmal etwas vom "Hefriga rogerfrattigianii" gehört? Das "Hefriga" löschen wir jetzt mal und das "rogerfrattigianii" teilen wir vor dem "f" -> Roger Frattigiani! Der Laichinger Roger Frattigiani ist Namensgeber eines urzeitlichen Krebses! Auch "Pseudodusa frattigianii n.g.n.sp., Holotypus" und "Squamosoglyphea rogeri n.sp. - neue Art! Holotypus" gehören zu den Entdeckungen, die nach ihm benannt wurden.
Damit hat der Laichinger Roger Frattigiani seinen Namen wohl für alle Zeiten unsterblich gemacht - eine Leistung, die wenige Menschen vollbringen. Gerade in der heutigen Zeit denken wir ja, dass es nicht mehr viel zu entdecken gibt und dass so ziemlich alles auf dieser Welt schon bis ins Letzte erforscht ist. Da finde ich es super, dass man als Enthusiast in seinem Gebiet doch noch etwas erreichen kann.
Wir haben Herrn Frattigiani gefragt wie man sich den das Vorgehen vorstellen muss wenn man denn Verdacht hat eine neue Tierart entdeckt zu haben. Er beantwortet diese Frage so:
"..Unpräpariert erkennt man freilich nicht viel, aber wenn Feinheiten freigelegt sind, erkennt der Fachmann, dass es Ungereimtheiten in Bezug auf andere gut erforschte Krebsarten gibt - und man beginnt zu vergleichen. Man wälzt Büchermaterial und vergleicht ... findet man nichts Vergleichbares, kommt dann der nächste Schritt, in dem man einen Wissenschaftler z. B. eines Museums anschreibt. In meinem Fall habe ich damals einen Tipp bekommen, dass der Mann schlechthin für Krebse der Herr Schweigert im Stuttgarter Naturkundemuseum sei - den habe ich damals angeschrieben und er kam bei mir in Laichingen vorbei, um sich meine Sammlung anzuschauen.
Dabei sah er, dass sich einiges Interessantes in meiner Sammlung verbarg. Er nahm einige Stücke mit ins Museum, bearbeitete die unbekannten Stücke und gab ihnen einen Namen. In diesen Fall mit meinem Namen! Im Laufe der Jahre kamen viele dazu und werden noch dazu kommen.
Falls Roger Frattigiani mal die Namen für seine Neuentdeckungen ausgehen, würden wir vorschlagen, die nächste "Taufe" unter dem Namen "Hefriga Laichoi" zu feiern ;-) ( Der Name Laichingen soll auf den Alemannenhäuptling Laicho zurückgehen).
"Die Idee mit Laichingen als Namensgeber für nen neuen Krebs finde ich prima! Das werd ich mal angehen, wenn es wieder mal was geben sollte .. muss aber erst meine Tochter verewigen, weil ich es ihr versprochen habe."
Dann wird es eventuell gar nicht mehr so lange dauern bis auch Laichingen "unsterblich" wird. Momentan ist Herr Frattigiani nämlich schon wieder damit beschäftigt über eine Krebsart zu recherchieren
"Der nächste noch unbekannte Krebs ist schon in Arbeit und bekommt den Namen meiner Frau!"
Mehr zu Roger Frattigiani und seinen Fossilien erfahren Sie übrigens auf seiner Homepage: http://www2.rogers-fossilien.de Dort findet man vielfältige Informationen rund ums Thema Fossilien.
Der erste Krebs der nach Herrn Frattigiani benannt wurde - Pseudodusa frattigianii
Roger Frattigiani ist als Fachmann auch im Forum des Solnhofener-Fossilienatlasses als Seiten-Admin aktiv. Die Internetadresse des Fossilienatlasses lautet: http://forum.solnhofen-fossilienatlas.de
Falls Sie nun neugierig geworden sind auf die Welt der Fossilien, dann gehen Sie doch selber mal auf die Jagd. In Holzmaden gibt es ein sogenanntes "Urwelt-Museum Hauff". Dieses Museum stellt unter anderem Ichthyosaurier, Plesiosaurier, Krokodilsaurier, Flugsaurier, Fische, Seelilien, Ammoniten und Belemniten aus.
Am Museum angeschlossen war/ist auch ein Steinbruch, in dem jeder selber auf die Jagd nach Fossilien gehen kann. Ob dies heute noch möglich ist, weiß ich nicht genau - denke aber, da dürfte sich nicht viel geändert haben. Mehr Infos zum "Urwelt-Museum Hauff" findet man hier : http://www.urweltmuseum.de












